Bier und Tee in Pilsen

Pilsen steht weltweit für den Standard des Pilsner Biers. Während meines Aufenthalts in der Stadt nahm ich an einer preisgekrönten 100-minütigen Brauereiführung bei Pilsner Urquell teil, wo dieses weltberühmte Bier gebraut wird. Der Name „Urquell“ verweist auf die Anfänge der Brauerei im Jahr 1842 – dank eines bayrischen Bierexperten – und die Tour zeigt, wie das Bier hier bis heute nach genau derselben Methode gebraut wird.

Mit rund 1.000 Mitarbeitenden ist die größte Brauerei der Tschechischen Republik seit 2017 Teil der japanischen Asahi-Gruppe. Die Führung endete mit einer Verkostung eines ungefilterten, unpasteurisierten Biers direkt aus dem Keller – wahrscheinlich das beste Bier, das ich je getrunken habe. Die Brauerei verfügt außerdem über ein separates Gebäude mit experimentellen Mikrobrauereien, von denen eine ein Bier mit Yuzu-Geschmack herstellt – eine echte tschechisch-japanische Kulturfusion.

 Nach der Tour ging ich in ein Teehaus in der Altstadt. Ja – in ein Teehaus! Als großer Teeliebhaber hatte ich gehört, dass die Tschechische Republik eine einmalige Teekultur hat. In größeren Städten findet man sogenannte Teehäuser, die viele verschiedene Teesorten anbieten, darunter japanische, chinesische, tibetische, südamerikanische und europäische. Ähnlich wie in einem Café setzt man sich hin und genießt einen Tee seiner Wahl, allein oder mit Freunden – doch tschechische Teehäuser sind oft deutlich entspannter und bieten manchmal sogar Wasserpfeifen an.

Das Teehaus, das ich besuchte, hatte einen großen Sitzbereich, in dem man die Schuhe auszieht und auf Kissen auf dem Boden sitzt. Es war eine kulturelle Mischung aus asiatischen, orientalischen und böhmischen Einflüssen. Der Raum war nur spärlich beleuchtet, und die Atmosphäre war äußerst stimmungsvoll – tatsächlich bohème im künstlerischen und unkonventionellen Sinne.

Es gab keinerlei Druck, noch etwas zu bestellen oder nach einer bestimmten Zeit zu gehen. In einer anderen Ecke des Raumes küsste, kicherte und flirtete ein Paar die ganze Zeit. Ich knabberte an Halva, ließ mich in die runden, weichen Kissen sinken und blätterte in meinem Buch Seite um Seite. Mein Kukicha aus Japan war ausgezeichnet – ein Moment purer Glückseligkeit.. 

Was für eine bereichernde Erfahrung, in Kulturen einzutauchen, die sich um zwei Getränke drehen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Dies sind nur meine ersten Fragmente tschechischer Kultur – und ich würde sehr gern noch viele weitere entdecken.

Reisemomente wie diese inspirieren immer wieder meine interkulturelle Neugier.

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