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	<description>Sicht einer Japanerin in Deutschland</description>
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		<title>Bericht aus Sendai &#8211; 4</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 09:45:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frau K, 50 Jahre alt, arbeitet bei einer Versicherungsfirma in Sendai, wo sie am 11.3.2011 das Beben mit der St&#228;rke 9.0 erlebte. Frau K ist eine Gewerkschaftlerin, die sich f&#252;r Rechtschutz f&#252;r Frauen an Arbeitsplatz, besonders f&#252;r die Rechte von &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=74">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Frau K, 50 Jahre alt, arbeitet bei einer Versicherungsfirma in Sendai, wo sie am 11.3.2011 das Beben mit der St&auml;rke 9.0 erlebte. Frau K ist eine Gewerkschaftlerin, die sich f&uuml;r Rechtschutz f&uuml;r Frauen an Arbeitsplatz, besonders f&uuml;r die Rechte von Teilzeitarbeitnehmerinnen einsetzt. Kurz nach dem Beben vermittelte Frau K ihre Eindr&uuml;cke aus Sendai der Gewerkschaft &bdquo;</em><a href="http://wwt.acw2.org/?cat=5"><em>Action Center for Working Women</em></a><em>&ldquo; die ihre Beitr&auml;ge im Web ver&ouml;ffentlichte. Ein Teil dieser Beitr&auml;ge erreichte mich durch einen E-Mail-Server f&uuml;r die japanische Gemeinde in M&uuml;nchen. Mit der Erlaubnis von Frau K aus Sendai ver&ouml;ffentliche ich hier ihre ins Deutsche &uuml;bersetzten Tagesberichte aus Sendai.</em></p>
<hr />
<p>Sendai, den 22. M&auml;rz 2011</p>
<p>Am Nachmittag erschien eine Teilzeit-Kollegin, die seit dem Beben nicht anwesend war. Als das Beben zuschlug, versteckte sie sich unter den Tisch gleich neben mir. Nach dem Beben informierte uns ihre Vermittlungsfirma lediglich, dass die Zeitarbeiterin nun f&uuml;r unbestimmte Zeit nicht zur Arbeit erscheinen kann. Nach 10 Tagen ihrer Abwesenheit war ich sehr besorgt &uuml;ber die Kollegin, die immer Absatzschuhe trug und sich h&uuml;bsch kleidete. Sie hatte heute Turnschuhe an, voller Schmutz und zerrissen zum Teil. Nachdem sie &uuml;ber den Tsunami erfuhr, rennte sie direkt zun&auml;chst zu ihrem Elternhaus, das bis zum ersten Stock vom Wasser bedeckt wurde, und danach zum Haus eines Verwandten, das der Tsunami wohl mitriss. Ihre Suche nach dem Haus zerm&uuml;rbte zwei Paare Schuhen. Unz&auml;hlbare Leichen waren unter Tr&uuml;mmern und im Wasser zu sehen. &bdquo;Dort herrschte eine andere Welt. Mein Herz brach fast zusammen,&ldquo; fl&uuml;sterte sie. Selbst in der am h&auml;rtesten betroffenen Provinz Miyagi liegen Welten zwischen denjenigen, die das K&uuml;sten-Gebiet betreten haben, und denjenigen, die das nicht gesehen haben, dachte ich.</p>
<p>Als ich ein Tax nahm, um mein Gep&auml;ck zu transportieren, fragte mich der Fahrer: &bdquo;Haben Sie schon genug Wasser?&ldquo; &bdquo;Ja, endlich,&ldquo; antwortete ich, und fragte nach, ob er auch an Wasser kommt. &bdquo;Ja, Wasser habe ich reichlich&ldquo; sagte er. Ich dachte, er wohnt nah an den Bergen, wo einige D&ouml;rfer ohne Strom, Wasser und Gas auf Quellenwasser angewiesen sind. Dann setzte er fort als ob er eine Kleinigkeit erw&auml;hnen w&uuml;rde: &bdquo; Dunkles Wasser kam und nahm mein Haus, meine Mutter und alles andere mit sich.&ldquo; Es lief mir kalt den R&uuml;cken herunter. Seine komplette Gemeinde war ins Meer gesp&uuml;lt worden. Alle suchten nach den H&auml;usern, aber nichts blieb &uuml;brig, sagte er. Der Fahrer gab die Suche auf, zog sich in der Notunterkunft seiner Firma zur&uuml;ck, und fing mit seiner Arbeit wieder an. Die Realit&auml;t hier hei&szlig;t: Ein zerst&ouml;rtes Haus wieder aufbauen zu k&ouml;nnen ist ein Gl&uuml;cksfall. Wenn nicht einmal eine einzige St&uuml;tze steht, ist von einem Wiederaufbau &uuml;berhaupt nicht mehr zu tr&auml;umen.</p>
<p>Unser Versicherungsmakler in Fukushima erz&auml;hlte, er wurde um sechs Uhr morgens mit dem Ruf &bdquo;Evakuation!&ldquo; aufgeweckt. Als er schl&auml;frig &uuml;ber seinem Schlafanzug eine Jacke anzog und aus dem Haus trat, wurde er direkt danach au&szlig;erhalb der Provinz gebracht. Er teilte unserer Firma mit, er wisse nicht, wann er &uuml;berhaupt wieder nach Hause zur&uuml;ckkehren kann.</p>
<p>Die Stadt Sendai f&auml;ngt an zu rollen.<br />
	Aber was in der Zukunft auf uns wartet &ndash; dar&uuml;ber wei&szlig; noch keiner.</p>
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		<title>Bericht aus Sendai &#8211; 3</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Mar 2011 09:36:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frau K, 50 Jahre alt, arbeitet bei einer Versicherungsfirma in Sendai, wo sie am 11.3.2011 das Beben mit der St&#228;rke 9.0 erlebte. Frau K ist eine Gewerkschaftlerin, die sich f&#252;r Rechtschutz f&#252;r Frauen an Arbeitsplatz, besonders f&#252;r die Rechte von &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=72">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Frau K, 50 Jahre alt, arbeitet bei einer Versicherungsfirma in Sendai, wo sie am 11.3.2011 das Beben mit der St&auml;rke 9.0 erlebte. Frau K ist eine Gewerkschaftlerin, die sich f&uuml;r Rechtschutz f&uuml;r Frauen an Arbeitsplatz, besonders f&uuml;r die Rechte von Teilzeitarbeitnehmerinnen einsetzt. Kurz nach dem Beben vermittelte Frau K ihre Eindr&uuml;cke aus Sendai der Gewerkschaft &bdquo;<a href="http://wwt.acw2.org/?cat=5">Action Center for Working Women</a>&ldquo; die ihre Beitr&auml;ge im Web ver&ouml;ffentlichte. Ein Teil dieser Beitr&auml;ge erreichte mich durch einen E-Mail-Server f&uuml;r die japanische Gemeinde in M&uuml;nchen. Mit der Erlaubnis von Frau K aus Sendai ver&ouml;ffentliche ich hier ihre ins Deutsche &uuml;bersetzten Tagesberichte aus Sendai.&nbsp;</em></p>
<hr />
<p>Sendai, den 22. M&auml;rz 2011</p>
<p>Nach dem verl&auml;ngerten Wochenende mit einem Feiertag kehrten viele Leute zum ersten Mal nach dem Tsunami zur Arbeit zur&uuml;ck. Meine U-Bahn-Haltstelle war so voll, dass der Einlass begrenzt wurde. Es dauerte mir lange bis ich endlich auf einen Zug kam. Der Bahnhof Dainohara ist die n&ouml;rdlichste Haltstelle der U-Bahn Nanboku-Line (die Norden und S&uuml;den der Stadt Sendai verbindet), die im Betrieb ist. Die n&ouml;rdlichen vier Haltstellen sind noch geschlossen. Ketten von Ersatz-Bussen brachten viele Menschen in die Haltstelle Dainohara, w&auml;hrend andere wie ich einen Rucksack tragend zu Fu&szlig; die Haltstelle erreichten. Diese Menschenmenge war letzte Woche nicht zu sehen. Alle nehmen wieder ihren Betrieb auf. In der &uuml;berf&uuml;llten U-Bahn roch es nach ungewaschenen Haaren.</p>
<p>Die Bundesstra&szlig;e Nr.45, die sich von der Stadt bis zum Meer erstreckt, wurde stark zerst&ouml;rt. Auf dieser Bundesstra&szlig;e fahren Lastwagen der japanischen Armee, die mit Notversorgung beladen sind, sowie Spezialfahrzeuge f&uuml;r Abfallbeseitigung und Aluminium-bedeckte Lastwagen. Alle Wagen tragen ein Kennzeichen aus anderen Provinzen. &bdquo;Ich hoffe auf Sie&ldquo; &ndash; so betete ich innerlich als die Wagen in die Richtung Meer vorbeifuhren. Ungemein freute mich auch, als ich zwei Tage nach dem Beben einen Reparatur-Wagen f&uuml;r Elektroleitungen sah, der ein Kennzeichen der Provinz Niigata trug. &Auml;hnlich ermutigt hat mich ein Wasserwagen aus Sapporo (auf der n&ouml;rdlichen Insel Hokkaido). Es ist eine Entdeckung, dass alleine Kennzeichen von anderen Provinzen uns Mut geben k&ouml;nnen.</p>
<p>Als ich in meiner Firma ankam, begegnete ich einem Kollegen, der nach dem Tsunami auf die Suche nach seinem Vater aufbrach. Zu meiner z&ouml;gernden Begr&uuml;&szlig;ung sagt er: &bdquo;Mein Vater hat es &uuml;berlebt.&ldquo; Es ist kaum zu glauben, aber sein Vater befand sich noch in dem ersten Stock seines Hauses, das vom Tsunami ausgerissen und weggeschwemmt wurde. Vermutlich gibt es noch viele andere Menschen, die in einem Spalt ihrer zerst&ouml;rten H&auml;user weiterleben. Das Fernsehen berichtet fiberhaft &uuml;ber die Rettung einer Oma und&nbsp;deren Enkelkind. In der Wirklichkeit sollten es noch viele &Uuml;berlebende in den weggesp&uuml;lten H&auml;usern und Autos geben. Auf dem K&uuml;stengebiet gibt es keine Leitung von Telefon oder Elektrizit&auml;t. Ich w&uuml;nschte mir, dass die &Uuml;berlebenden m&ouml;glichst schnell unter ein warmes Schutzdach gelangen&nbsp;und ihre Beine endlich ausstrecken k&ouml;nnten.</p>
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		<title>Bericht aus Sendai &#8211; 2</title>
		<link>http://www.sesera.net/blog/?p=69</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 09:34:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frau K, 50 Jahre alt, arbeitet bei einer Versicherungsfirma in Sendai, wo sie am 11.3.2011 das Beben mit der St&#228;rke 9.0 erlebte. Frau K ist eine Gewerkschaftlerin, die sich f&#252;r Rechtschutz f&#252;r Frauen an Arbeitsplatz, besonders f&#252;r die Rechte von &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=69">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Frau K, 50 Jahre alt, arbeitet bei einer Versicherungsfirma in Sendai, wo sie am 11.3.2011 das Beben mit der St&auml;rke 9.0 erlebte. Frau K ist eine Gewerkschaftlerin, die sich f&uuml;r Rechtschutz f&uuml;r Frauen an Arbeitsplatz, besonders f&uuml;r die Rechte von Teilzeitarbeitnehmerinnen einsetzt. Kurz nach dem Beben vermittelte Frau K ihre Eindr&uuml;cke aus Sendai der Gewerkschaft &bdquo;<a href="http://wwt.acw2.org/?cat=5">Action Center for Working Women</a>&ldquo; die ihre Beitr&auml;ge im Web ver&ouml;ffentlichte. Ein Teil dieser Beitr&auml;ge erreichte mich durch einen E-Mail-Server f&uuml;r die japanische Gemeinde in M&uuml;nchen. Mit der Erlaubnis von Frau K aus Sendai ver&ouml;ffentliche ich hier ihre ins Deutsche &uuml;bersetzten Tagesberichte aus Sendai.&nbsp;</em>&nbsp;&nbsp;</p>
<hr />
<p>Sendai, den 19. M&auml;rz 2011</p>
<p>Es schneite gestern und vorgestern. Heute scheint jedoch die Sonne, was uns etwas ermutigt. Da der Mangel an Wasser akut ist, f&uuml;llte ich die Badewanne mit Schnee, auch wenn der Schnee radioaktiv sein soll, damit ich zumindest die Toilette sp&uuml;len kann. Ohne Heiz&ouml;l ist es kalt. Ich ziehe mich dick an, um mich vor der K&auml;lte zu sch&uuml;tzen. Die K&auml;lte ist nichts im Vergleich zur Zerst&ouml;rung, die Menschen nah an der K&uuml;ste erleben m&uuml;ssen. Uneingeschr&auml;nkt bewundere ich die Geduld und Ausdauer von Tōhoku-Leuten. Liegt es an Ihrer genetischen Veranlagung als seit Menschengedenken untergedr&uuml;ckte Bev&ouml;lkerung? Sie leiden alle in der Stille. Sie sollten mehr klagen.</p>
<p>Zum ersten Mal erschien ein Kollege zur Arbeit nachdem sein Haus vom Tsunami weggesp&uuml;lt wurde. Das Schreckensbild mit unz&auml;hligen Leichen sei die letzte H&ouml;lle, der er in seinem Leben jemals wieder begegnen m&ouml;chte &#8211; so weinte er. Ich konnte kein angemessenes Wort dazu finden.<br />
	Wer es kann, f&auml;ngt an, vor der Atom-Katastrophe zu fliehen, w&auml;hrend die Mehrheit, die weder Geld, Flucht-Mittel noch Ziel hat, hier stecken bleibt. Ich frage mich auch, was jetzt aus uns wird, w&auml;hrend ich bei einer Freundin meine Unterw&auml;sche und Socken wasche, die zur Neige gingen. Hier gibt es seit kurzem Wasser aus der Leitung.</p>
<p>Ich rechne damit, dass die Notversorgung uns irgendwann erreichen wird, solange wir vor&uuml;bergehend aushalten. Der schwerste Schlag f&uuml;r uns ist jedoch die fehlende Gas-Versorgung. Mindestens drei Monate m&uuml;ssten wir ohne Bad und Kochen auskommen. (In Japan wird &uuml;blicherweise mit Gas gekocht) Sowie viele Betroffenen in diesem Gebiet w&uuml;nsche ich mir einen elektrischen Kochtopf oder Wasserkocher. Auch wenn ich mir &uuml;ber den Widerspruch bewusst bin, dass ich gegen Atom-Strom bin. Bisher nutzte ich einen Gas-Flaschen-Kocher zum Zelten. Das Fl&auml;schen ist aber schon leer. Keiner hat damit gerechnet, dass diese Notsituation in diesem Ausma&szlig; fortsetzt. Alle sagen, dass ihre Gasflaschen schon ausgesch&ouml;pft sind.</p>
<p>Die Notsituation schl&auml;gt sich auch auf unseren Geldbeutel nieder. Alle Preise sind rasant nach oben gestiegen. Aus jedem Haushalt fliegt das Geld weg.</p>
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		<title>Bericht aus Sendai &#8211; 1</title>
		<link>http://www.sesera.net/blog/?p=67</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Mar 2011 09:25:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frau K, 50 Jahre alt, arbeitet bei einer Versicherungsfirma in Sendai, wo sie am 11.3.2011 das Beben mit der St&#228;rke 9.0 erlebte. Frau K ist eine Gewerkschaftlerin, die sich f&#252;r Rechtschutz f&#252;r Frauen an Arbeitsplatz, besonders f&#252;r die Rechte von &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=67">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Frau K, 50 Jahre alt, arbeitet bei einer Versicherungsfirma in Sendai, wo sie am 11.3.2011 das Beben mit der St&auml;rke 9.0 erlebte. Frau K ist eine Gewerkschaftlerin, die sich f&uuml;r Rechtschutz f&uuml;r Frauen an Arbeitsplatz, besonders f&uuml;r die Rechte von Teilzeitarbeitnehmerinnen einsetzt. Kurz nach dem Beben vermittelte Frau K ihre Eindr&uuml;cke aus Sendai der Gewerkschaft &bdquo;<a href="http://wwt.acw2.org/?cat=5">Action Center for Working Women</a>&ldquo; die ihre Beitr&auml;ge im Web ver&ouml;ffentlichte. Ein Teil dieser Beitr&auml;ge erreichte mich durch einen E-Mail-Server f&uuml;r die japanische Gemeinde in M&uuml;nchen. Mit der Erlaubnis von Frau K aus Sendai ver&ouml;ffentliche ich hier ihre ins Deutsche &uuml;bersetzten Tagesberichte aus Sendai.</em> &nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<hr />
<p>Sendai, den 19. M&auml;rz 2011</p>
<p>Mein Medikament zur Unterdr&uuml;ckung des Blutdrucks ist ausgesch&ouml;pft. Daher gehe ich endlich zum Arzt, der meinen Blutdruck misst: 220! Ich sp&uuml;rte nichts w&auml;hrend der Arbeit. Aber das Krankenhaus erh&auml;lt noch keine frische Lieferung, also bekomme ich die H&auml;lfte der &uuml;blichen Menge, die nur zur &Uuml;berbr&uuml;ckung ausreicht. Jedem Patienten ging es so, und jeder sieht besorgt aus. Sowohl Kliniken als auch Krankenh&auml;usern sind ebenso besch&auml;digt wie alle andere Geb&auml;ude, was genaue Untersuchungen unm&ouml;glich macht. Wir erhalten nur eine kleine Menge der &uuml;blichen Medikamenten.</p>
<p>Es gibt so viele Nachbeben &ndash; alle drei Minuten etwa &ndash; dass ich nicht mehr Erdbeben vom Schwindeln unterscheiden kann. Mein K&ouml;rper f&uuml;hlt sich st&auml;ndig geschaukelt an. Die Beben setzen immer fort. Immer mehr Geb&auml;ude st&uuml;rzen auf den Boden. Vor zwei Tagen fiel die Fassade eines Kaufhauses neben einem Bahnhof. Die Fu&szlig;g&auml;ngerzone nebenan wurde danach abgesperrt. Der Sendai-Hauptbahnhof, den ich sehr liebte, ist ebenso abgesperrt. Der Shinkansen-Bahnstieg dort verwandelte sich in eine Ruine.</p>
<p>Eiwei&szlig;reiche Lebensmittel wie Fleisch und Fisch finden wir nirgendwo. Auch kein Gem&uuml;se. Um &uuml;berhaupt etwas zu kaufen, muss man sich vier bis f&uuml;nf Stunden anstellen. Die Berufst&auml;tigen wie ich haben keine Chance. Am Abend haben alle L&auml;den schon geschlossen, gerade wenn wir mit der Arbeit fertig werden. Meine kostbare Beilage zum Reis ist fertige Streu-Gew&uuml;rze (Furikake). Alle Evakuierung-Zentren sind &uuml;berf&uuml;llt. Da es keinen Platz mehr gibt, bleiben wir trotz gro&szlig;er Gefahr zu Hause. Meine Eltern versuchten, mir Lebensmittel zuzuschicken, aber die Post weigerte sich. Das Tsunami-Gebiet sei unzustellbar.</p>
<p>Entlang der K&uuml;ste wurde alles gleicherma&szlig;en vernichtet. Laut Nachrichten w&uuml;rde es f&uuml;r die Wiederherstellung der Abwasserkan&auml;le mindesten ein Jahr dauern. Das Erdbeben und Tsunami zerst&ouml;rten ebenso Gas-Speicher und &ndash;Anlagen. Bedeutet das, dass ich bis Ende des Jahres nicht zu Hause baden kann?</p>
<p>Alle sind hungrig und extrem ersch&ouml;pft. Aber wenn eine Fernseh-Kamera auf sie gerichtet wird, sagen sie l&auml;chelnd &#8211; w&auml;hrend sie innerlich weinen -: &bdquo;Machen Sie sich keine Sorge. Uns geht es gut.&ldquo; Das ist typisch hier in Tōhoku (die Region im Norden der Hauptinsel Honshū). Menschen in Fukushima sind viel zu sympathisch. Innerlich w&uuml;rden sie gerne Tokio auffordern, schnellstm&ouml;glich die Atom-Katastrophe zu beseitigen und die Konsequenzen selber zu tragen, da Tokio vor allem den Storm vom AKW zapfte. Stattdessen werden sie in eine Sportarena in Saitama (n&ouml;rdlich von Tokio) evakuiert, und sie sind zu Tr&auml;nen ger&uuml;hrt, von ehrenamtlichen B&uuml;rgern dort versorgt zu werden.</p>
<p>Sie sollten ihren &Auml;rger mehr ausdr&uuml;cken.</p>
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		<title>Liebe deutsche Freunde,</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 09:14:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Japan-Katastrophe]]></category>
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		<description><![CDATA[W&#228;hrend sich die &#8222;Fukushima 50&#8220; zu einem universallen Heldentum etabliert, gilt seit kurzem ein Deutscher Journalist als gro&#223;er Held f&#252;r Japaner, die in Deutschland wohnen. Der Held hei&#223;t Herr Roland Tichy, Chefredakteur des Magazins Wirtschaftswoche. Seit einigen Tagen zirkuliert sein &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=54">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>W&auml;hrend sich die &bdquo;Fukushima 50&ldquo; zu einem universallen Heldentum etabliert, gilt seit kurzem ein Deutscher Journalist als gro&szlig;er Held f&uuml;r Japaner, die in Deutschland wohnen.</p>
<p>Der Held hei&szlig;t Herr Roland Tichy, Chefredakteur des Magazins Wirtschaftswoche.<br />
	Seit einigen Tagen zirkuliert sein Kommentar <a href="http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/tabellen-1/japan-trauer-um-die-opfer.html">&bdquo;Liebe japanische Freunde&ldquo;</a> in verschiedensten Foren japanischer Gemeinden in Deutschland. Herr Ticky kritisiert, dass die deutsche Bev&ouml;lkerung, Politiker und Medien schnell &uuml;ber die Katastrophe im Tsunami-Gebiet Japans verga&szlig;en. Angesichts der tiefen Trauer von Millionen Japanern sei es &bdquo;herzlos&ldquo; von Deutschen, auf die AKW-Krise in Fukushima mit &bdquo;hektische(m) Geschrei und Getue&ldquo; zu reagieren. &bdquo;Uns fehlt das Mitgef&uuml;hl, die F&auml;higkeit zu Mit-Leiden und zur R&uuml;cksichtnahme auf die Gef&uuml;hle der von der Katastrophe Betroffenen,&ldquo; schreibt der Journalist.</p>
<p>Eine <a href="http://fachwerk.exblog.jp/15075398/">Blogseite</a>, wohin die japanische &Uuml;bersetzung dieses Artikels ver&ouml;ffentlicht wurde, scheint umso mehr japanische Leser anzuziehen. Viele der Kommentare, hinterlassen auf Japanisch, zeigen deutlich, wie frustriert und traurig Japaner hier dar&uuml;ber waren, wie &uuml;ber die Katastrophe in Japan hierzulande berichtet wurde.</p>
<p>Eine Japanerin schreibt: &bdquo;Es freut mich ungemein zu wissen, dass es einen deutschen Journalisten gibt, der so etwas schreibt.&ldquo; Eine andere Leserin jubelt: &bdquo;Es freut mich, dass ich diesem Artikel begegnet bin, denn dieser Artikel hat mich buchst&auml;blich gerettet. &ldquo;</p>
<p>Ein anderer Kommentar: &bdquo;Was mir am meisten Angst bereitet hatte, war nicht das Erdbeben oder das Kernkraftwerk, sondern die deutsche Medienberichterstattung. Deutsche Medien stifteten gro&szlig;e Angst in mir. Die Angst, die durch Presse-Konferenzen von (japanischem Regierungssprecher) Herrn Edano abgebaut wurde, war immer schnell wieder von deutschen Medien aufgebaut.&ldquo;</p>
<p>&bdquo;Ebenso habe ich depressive Tage hinter mir, nachdem ich immer Doppelt-Belastungen ausgesetzt war &#8211; den deutschen Medien und &auml;u&szlig;erst negativen Kommentaren von Leuten. Das deutsche Fernsehen hat meinem psychologischen Zustand mit solchem Ausma&szlig; geschadet, dass ich mich ein paar Tagen nach dem Tsunami beschloss, nicht mehr einzuschalten. &bdquo;</p>
<p>Ich kann selber alle diese Kommentare nur unterstreichen. F&uuml;r mich stellt dieser Artikel auch ein Zeichen f&uuml;r Ausgeborgenheit und Empathie dar.</p>
<p>Liebe deutsche Freunde, viele von uns wissen auch, wie Herr Tichy schreibt, dass &bdquo;andere Menschen&ldquo; in Deutschland gibt.</p>
<p><a href="http://www.sesera.net/blog/wp-content/uploads/2011/04/RIMG12681.jpg"><img alt="Blümchen" class="size-medium wp-image-98" src="http://www.sesera.net/blog/wp-content/uploads/2011/04/RIMG12681-300x225.jpg" style="border-bottom: 0px solid; border-left: 0px solid; margin: 10px; width: 200px; float: left; height: 150px; border-top: 0px solid; border-right: 0px solid" title="Exif_JPEG_PICTURE" /></a>Dieses Bl&uuml;mchen hat&nbsp;eine&nbsp;deutsche Bekannte gestern in meine Hand gedr&uuml;ckt. In unserer gemeinsamen Hausaufgabebetreuung f&uuml;r Kinder hat mich die&nbsp;&auml;ltere Dame letzte Woche beobachtet, wie ich v&ouml;llig besorgt und niedergeschlagen &uuml;ber die Lage Japans war. &bdquo;Es ist unser kleines Andenken&ldquo; sagte mir die Dame und umarmte mich sanft. &bdquo;Frau Nishiyama, wir hoffen, dass es Ihrem Land und Ihren Landsleuten bald besser geht.&ldquo;</p>
<p>Wir Japaner denken auch an Sie und an Ihr Mitgef&uuml;hl.</p>
<p>Wir danken Ihnen, liebe deutsche Freunde.</p>
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		<item>
		<title>Lasst uns bitte in Ruhe trauern!</title>
		<link>http://www.sesera.net/blog/?p=52</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 09:11:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Trauer]]></category>

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		<description><![CDATA[Um 11 Uhr am 26.3. in der M&#252;nchner Theatinerkirche findet ein Benefiz-Konzert statt.&#160; Der Philharmonischer Chor&#160;M&#252;nchen sowie freiwillige Mitglieder des M&#252;nchner Philharmonikers&#160;musizieren das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart &#8211; f&#252;r Kinder&#160;von Tsunami-Opfern. Die Uhrzeit, die urspr&#252;nglich um 14:00 festgelegt wurde, &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=52">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um 11 Uhr am 26.3. in der M&uuml;nchner Theatinerkirche findet ein Benefiz-Konzert statt.&nbsp; Der Philharmonischer Chor&nbsp;M&uuml;nchen sowie freiwillige Mitglieder des M&uuml;nchner Philharmonikers&nbsp;musizieren das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart &#8211; f&uuml;r Kinder&nbsp;von Tsunami-Opfern.</p>
<p>Die Uhrzeit, die urspr&uuml;nglich um 14:00 festgelegt wurde, mussten die Veranstalter jedoch &auml;ndern. Der Grund: Zur gleichen Uhrzeit planen nun deutsche Atom-Gegner eine Demonstration am direkt benachbarten Odeonsplatz. Es ist zu bef&uuml;rchten, dass die Ruhe vom Protest gest&ouml;rt wird.</p>
<p>Es ist mir klar, dass das blo&szlig; ein Zufall war. Trotzdem fasst dieses Ereignis symbolisch die fast gegens&auml;tzlichen Reaktionen von Japanern und Deutschen auf die Katastrophe in Japan zusammen.</p>
<p>Was k&ouml;nnen wir f&uuml;r die Opfer tun? &ndash; Diese Frage stellen sich viele Japaner im Ausland, die machtlos die Zerst&ouml;rungen und das Leiden von so vielen Landsleuten aus der Entfernung beobachten. Nach dem ersten gro&szlig;en Schock fangen in Deutschland ans&auml;ssige Japaner an, um Spenden zu bitten und solche Benefiz-Konzerte zu organisieren. &bdquo;Lasst uns damit anfangen, mit dem, was wir von hier f&uuml;r die Betroffenen machen k&ouml;nnen&ldquo; &ndash; So tauschen sich Japaner gegenseitige Ermutigungen in einem lokalen E-Mail-Server f&uuml;r die japanische Gemeinschaft aus.</p>
<p>Dagegen scheinen viele Deutsche (ich betone- <strong>nicht alle</strong>) nur mit sich selbst besch&auml;ftigt zu sein &ndash; mit ihrer Angst vor Radioaktivit&auml;t und mit ihrer eigenen politischen Agenda gegen Atomkraftwerke in Deutschland. Eine Japanerin, die in Berlin am Wochenende wegen einer freiwilligen Spendensammel-Aktion auf die Stra&szlig;e ging, berichtete, dass sie und 40 andere Mitwirkenden von vielen Passanten warme Mitgef&uuml;hle erhielten, aber dass manche doch auf sie zu kamen, nur um ihnen Vorw&uuml;rfe zu machten, wie schlecht die Kernkraftenergie sei.</p>
<p>Leute, wenn Ihr schreien m&ouml;chtet, schreit. Aber bitte lasst uns zumindest in Ruhe.<br />
	Wir schreien nicht und beschimpfen niemand &#8211; nicht jetzt, wenn die 350,000 &Uuml;berlebenden im Norden Japans in &uuml;berf&uuml;llten Notunterk&uuml;nften nicht schrien &#8211; auch wenn Ihnen die n&ouml;tigste Versorgung fehlt. Dort gibt es wichtigeres zu tun als jammern und protestieren: Ruhe bewahren und gemeinsam nach vorne schauen.</p>
<p>&Uuml;ber 9,000 Menschen sind verstorben, 12,000 vermisst und die Zerst&ouml;rungen aller Infrastruktur dort machen auch den &Uuml;berlebenden langsam zu schaffen. Sie beklagen sich aber nicht. Die Bewahrung der inneren St&auml;rke von Menschen in der n&ouml;rdlichen Region, viele von ihnen &auml;ltere Reisbauer die st&auml;ndig mit harten Naturbedingungen zu k&auml;mpfen hatten, ist auch f&uuml;r die meisten Japaner &uuml;berhaupt nicht selbstverst&auml;ndlich. Sie verk&ouml;rpern Wertvorstellungen des alten Japans, Geduld und Dulden, die in gro&szlig;en St&auml;dten und vor allem in j&uuml;ngeren Generationen l&auml;ngst verloren gegangen w&auml;ren.</p>
<p>Ein Kolumnist einer japanischen Zeitung schrieb: &bdquo;Ich f&uuml;hle mich gezwungen den Betroffenen zuzumuten, nicht mehr still zu leiden und zu trauern. Sie sollten sich &uuml;ber die mangelnde Notversorgung beklagen anstatt sich daf&uuml;r tief verbeugend zu bedanken, wenn ihnen ein kleines Reisb&auml;llchen nach langem Warten endlich bereitgestellt wird.&ldquo;</p>
<p>Aus japanischer Sicht eignet sich die jetzige Situation nicht, in Panik zu geraten, zu jammern und zu fordern. Frustrierend &ndash; wenn nicht gar traurig &ndash; ist es f&uuml;r uns Japaner, dass ausgerechnet Deutsche, die von der Radioaktivit&auml;t absolut nichts pers&ouml;nlich abbekommen, lauter schreien als Japaner. Die Panik am vergangenen Donnerstag am M&uuml;nchner Flughafen mit einer Fehlmessung der Radioaktivit&auml;t an einem ANA-Flugzeug aus Japan ist ein Symptom daf&uuml;r.</p>
<p>Lasst uns nicht den akuten Notzustand im Tsunami-Gebiet vergessen, auch wenn sich die Medien hier gerne damit besch&auml;ftigen,&nbsp;die&nbsp;Atom-Angst zu verbreiten.</p>
<p>Dort leiden Menschen tats&auml;chlich. Hier nicht.</p>
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		<title>Das Japaner-sein in Zeiten der Katastrophe</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 09:10:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Japan-Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Expats]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Japaner]]></category>

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		<description><![CDATA[Seitdem das Erdbeben den Norden Japans mit unvorstellbarer Wucht geschlagen hat, erlebe ich eine &#228;u&#223;erst emotionell instabile Zeit. Rund um die Uhr sa&#223; ich am Rechner und folgte grausame Nachrichten aus Japan &#8211; den ganzen Tag. Auch in der Nacht &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=43">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seitdem das Erdbeben den Norden Japans mit unvorstellbarer Wucht geschlagen hat, erlebe ich eine &auml;u&szlig;erst emotionell instabile Zeit.</p>
<p>Rund um die Uhr sa&szlig; ich am Rechner und folgte grausame Nachrichten aus Japan &ndash; den ganzen Tag. Auch in der Nacht wollte ich weiter daran bleiben, vor der gro&szlig;en Angst, dass die Situation sich w&auml;hrend meines Schlafens drastisch verschlimmern k&ouml;nnte. Nichts wollte ich verpassen. &bdquo;Mein Land bricht jetzt zusammen. Ich muss mit dabei sein.&ldquo;</p>
<p>Mit Recht wurde Mein Mann sehr besorgt &uuml;ber diesen Zustand, der sich immer st&auml;rker durch Depression und Trauer bezeichnen lie&szlig;. Japanische Medienberichterstattung aus dem Tsunami-Gebiet sowie &uuml;ber die verzweifelte Lage des AKWs in Fukushima brachte mich mehrmals am Tag zum heulen. Vor Machtlosigkeit, von hier aus keinem helfen zu k&ouml;nnen, wurde ich verzweifelt. Ich verlor Appetit und konnte kaum schlafen. &Uuml;ber irgendetwas zu Lachen oder gar L&auml;cheln hatte ich w&auml;hrend dieser ersten Woche vergessen. Mein Mann gestand heute, dass er mich vor allem als einen Einzelfall betrachtet hatte, dass seine Frau besonders sensitiv, gar hysterisch, auf die Situation reagiert h&auml;tte. Seine Einsch&auml;tzung war aber falsch.</p>
<p>Je mehr ich mit anderen japanischen Freunden hier dar&uuml;ber sprach, desto mehr wurde es mir klar: Sehr vielen im Ausland ans&auml;ssigen Japanern ging es &auml;hnlich, auch wenn ihre Familie oder Bekannte nicht direkt vom Tsunami oder von Radioaktivit&auml;t in Fukushima betroffen sind.<br />
	Nachdem ich schon ein Drittel meines Lebens au&szlig;erhalb Japans verbrachte, war ich mir noch nie bewusst dass &bdquo;mein Land&ldquo; mir so viel bedeutet hat. Klar, ich war und bin immer gerne Japanerin. Aber dass diese Katastrophe mich in diesem Ausma&szlig; ins dunkle Meer der Verzweiflung mitnahm, war selbst f&uuml;r mich eine &Uuml;berraschung. W&auml;hrend ich st&auml;ndig dem Leiden &bdquo;meiner Landsleute&ldquo; zuschaute, realisierte ich immer deutlicher: &bdquo;Mein Land&ldquo; steht jetzt auf der Kippe.</p>
<p>&bdquo;Auch wenn eine &auml;hnliche Katastrophe in Deutschland passieren w&uuml;rde und wenn Expat-Deutschen sie aus der Entfernung verfolgen w&uuml;rden, w&uuml;rde es ihnen zwar sehr nah gehen, aber wahrscheinlich nicht so extrem wie bei Euch,&ldquo; vermutet mein Mann. &bdquo;Es liegt bestimmt an Eurer starken Identifikation als Inselvolk, das Japaner-sein.&ldquo;</p>
<p>Seine Analyse machte mich sehr nachdenklich.</p>
<p>Zun&auml;chst konnte ich nicht glauben, dass unsere Reaktion von &bdquo;japanischer Natur&ldquo; war. Vielleicht ist es eine verbreitete Erscheinung f&uuml;r viele Expats, sich besonders machtlos zu f&uuml;hlen und sich mehr Sorgen &uuml;ber das Land zu machen, wenn man im Ausland lebt. Meine Schwester in Osaka, im Westen Japans, reagierte z.B. etwas gesch&auml;ftsm&auml;&szlig;ig, als ich mein miserables Gef&uuml;hl &uuml;ber die Betroffenen im Krisen-Gebiet mit ihr telefonisch teilen wollte. &bdquo;Entschuldige, meine Kinder m&uuml;ssen jetzt zum Klavierunterricht gehen.&ldquo; Sie hatte offenbar andere Priorit&auml;ten.</p>
<p>Anderseits stimmt es wohl, dass wir Japaner uns gerne vom Rest der Welt unterscheiden. In dieser Insel-Nation identifizieren wir uns ausgepr&auml;gt als Teil einer Gruppe. Wir lernen von klein an die Tugend, es sei wichtig, unserer Gruppe, Gemeinde, Schule Firma oder unserer Gesellschaft st&auml;ndig einen Beitrag zu leisten (kōken-suru) und mehr im Interessen der zugeh&ouml;rigen Gruppe als im Eigeninteresse zu agieren. Diese &auml;u&szlig;erst Gruppen-orientierte gesellschaftliche Norm verhalf zweifellos Japan, aus den Tr&uuml;mmern am Ende des Zweiten Weltkriegs sich in eins der reichsten L&auml;nder der Welt zu verwandeln.</p>
<p>In meiner Generation, die dank der harten Arbeit unserer Elterngeneration den Wohlstand des Landes nur genie&szlig;en darf, erlebten wir niemals so eine verzweifelnde Situation wie heute. Vielleicht weckte diese Krise uns Japaner auf, alles was wir in den letzten f&uuml;nf Jahrzehenten &uuml;berwiegend f&uuml;r &bdquo;normal&ldquo; hielten, in Frage zu stellen.</p>
<p>St&auml;ndig wachsende Wirtschaft. Ewiger Wohlstand des Landes. Absolut sichere AKWs. Immer zu verbrauchender, unendlicher Strom. Extravagante kulinarische Genuss-Kultur. &ndash; All das wird jetzt weggesp&uuml;lt. Aus Verzweiflung klammern wir uns nun an das letzte Element: Das abstrakte Japaner-sein, was lediglich auf unserer Erinnerung vom &bdquo;alten&ldquo; Japan bis 11.3.2011 basiert ist.</p>
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		<title>Antwort der SZ</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Mar 2011 21:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Japan-Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Leserbrief]]></category>
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		<category><![CDATA[Redaktion]]></category>
		<category><![CDATA[SZ]]></category>

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		<description><![CDATA[Innerhalb von einer Stunde habe ich eine Antwort aus der Redaktion der S&#252;ddeutschen Zeitung erhalten. Nach dem der Redakteur mir die Erlaubnis gab, ver&#246;ffetliche ich den Brief. Sehr geehrte Frau Nishiyama, vielen Dank f&#252;r Ihren Brief, den wir hier alle &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=55">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Innerhalb von einer Stunde habe ich eine Antwort aus der Redaktion der S&uuml;ddeutschen Zeitung erhalten. Nach dem der Redakteur mir die Erlaubnis gab, ver&ouml;ffetliche ich den Brief.</em></p>
<hr />
<p>Sehr geehrte Frau Nishiyama,</p>
<p>vielen Dank f&uuml;r Ihren Brief, den wir hier alle sehr aufmerksam gelesen haben. Allerdings m&ouml;chte ich Ihrer Kritik ein wenig widersprechen: Auch die S&uuml;ddeutsche Zeitung hat viele Artikel &uuml;ber die unmittelbare Katastrophe und den Tsunami gedruckt. Wir haben mit viel Aufwand und unter hohem pers&ouml;nlichen Risiko in den vergangenen Tagen endlich einen Reporter in das Krisengebiet, nach Kesennuma, entsenden k&ouml;nnen. Seine Reportage lesen Sie morgen auf Seite Drei. Die Spendenkonten sind auf unserer Webseite zu finden, dorthin verweisen wir auch stets.</p>
<p>Sie haben nat&uuml;rlich Recht, wenn Sie eine Ungleichgewichtung zugunsten der nuklearen Katastrophe feststellen. Ich bitte aber auch um Verst&auml;ndnis, dass unserer Leser mehrheitlich alle Informationen &uuml;ber die sich hier entfaltende Trag&ouml;die erhalten m&ouml;chten. Nat&uuml;rlich kann man &uuml;ber die richtige Mischung streiten, und auch hier haben Sie Recht: Die deutsche Angst nimmt sich schon grotesk aus, bedenkt man, dass niemand hierzulande unmittelbar gef&auml;hrdet ist und in der Tat in den Tsunami-Gebieten unsagbares Leid herrscht. Verunsichern m&ouml;chten wir aber niemanden, und unsere Wissenschaftsredaktion bem&uuml;ht sich sehr um eine ruhige und sachliche Darstellung. M&ouml;glicherweise verwischen sich hier Ihre Eindr&uuml;cke aus der gesamten Berichterstattung in Deutschland, auch im Fernsehen, mit Ihrem Urteil &uuml;ber die SZ. F&uuml;r Panik sorgen wir aber hoffentlich nicht.</p>
<p>Sie schreiben, die Not in den Krisengebieten wird fortbestehen, auch wenn sich die Lage in den Atomanlagen entspannen sollte. Vielleicht ist es aber auch gerade umgekehrt: Vielleicht steht die eigentlichen Katastrophe erst noch bevor, die in ihrer Dimension alles weit &uuml;bersteigt. Hoffen wollen wir es wirklich nicht, aber wir m&uuml;ssen &uuml;ber beide Entwicklungen berichten.</p>
<p>Ihnen gleichwohl herzlichen Dank f&uuml;r die Mahnung. Wie bereits gesagt: Wir haben das hier sehr aufmerksam aufgenommen, und Sie d&uuml;rfen sicher sein, dass die Debatte &uuml;ber das richtige Verh&auml;ltnis auch unsere Konferenzen bestimmt.</p>
<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en</p>
<p>Stefan Kornelius</p>
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		<title>An die Redaktion der Süddeutschen Zeitung</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Mar 2011 20:35:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Japan-Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Leserbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[SZ]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>

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		<description><![CDATA[Frustriert &#252;ber die Berichte in allen deutschen Medien (auch in der S&#252;ddeutschen Zeitung) &#160;&#252;ber die Japan-Katastrophe habe ich einen Leserbrief geschrieben und an die Redaktion der SZ geschickt. Hier lest Ihr meinen Leserbrief, sowie eine Antwort der Zeitungsredaktion. M&#252;nchen, den &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=48">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Frustriert &uuml;ber die Berichte in allen deutschen Medien (auch in der S&uuml;ddeutschen Zeitung) &nbsp;&uuml;ber die Japan-Katastrophe habe ich einen Leserbrief geschrieben und an die Redaktion der SZ geschickt. Hier lest Ihr meinen Leserbrief, sowie eine Antwort der Zeitungsredaktion.</em></p>
<hr />
<p>M&uuml;nchen, den 18.3.2011</p>
<p>An die Redaktion der S&uuml;ddeutschen Zeitung</p>
<p>Als in M&uuml;nchen ans&auml;ssige Japanerin bin ich von der Berichterstattung Ihrer Zeitung in den letzten Tagen &uuml;ber die Tsunami-Katastrophe in Japan zutiefst entt&auml;uscht.</p>
<p>Ich verstehe, dass das Thema Atomenergie hierzulande ein hoch politisiertes, emotionales und sehr aktuelles Thema ist. Wenn ich aber sehe, dass sich Ihre fast f&uuml;nfseitigen Berichte z.B. vom 18.3. beinahe ausschlie&szlig;lich auf die aktuelle Situation des betroffenen Atomkraftwerks in Fukushima und die innenpolitischen Folgen davon in Deutschland konzentrieren, muss ich Ihre journalistische Kompetenz, was Ausgewogenheit und Differenziertheit in der Darstellung angeht, stark in Frage stellen.</p>
<p>Im Krisengebiet kamen bisher 6900 Menschen ums Leben. &Uuml;ber 20.000 Menschen werden vermisst, und 410.000 Menschen wurden innerhalb den letzten sieben Tagen obdachlos (laut Mainichi Newspaper 18.3.). Noch immer warten an mehreren Dutzend isolierten Pl&auml;tzen zahllose &Uuml;berlebende auf eine Rettung ohne M&ouml;glichkeit eigenst&auml;ndiger Flucht und ohne allern&ouml;tigste Versorgung. Die Gefahr einer aufkommenden Hungernot ist deshalb sehr gro&szlig;.</p>
<p>Bitte vergewissern Sie sich: Dieser akute Notzustand im Krisengebiet wird fortbestehen, auch wenn sich die Lage im Atomkraftwerk entspannen sollte. Das Ausma&szlig; der Zerst&ouml;rungen im Norden Japans l&auml;sst sich erst jetzt langsam absch&auml;tzen. Die Menschen dort brauchen Hilfe. Das Fehlen in Ihrer Zeitung sowohl an einer angemessenen Berichterstattung &uuml;ber diese Opfer und ihre akuten Probleme als auch, dass an keiner Stelle ein Spendenkonto genannt wird, ist mir deshalb schwer begreiflich.</p>
<p>Verunsichert ist die Bev&ouml;lkerung in Deutschland durch die deutsche Medien-Berichterstattung, die im Vergleich zu der in anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern &auml;u&szlig;erst einseitig das Atom-Thema hoch heizt. Die gestrige Panik am M&uuml;nchner Flughafen mit einer Fehlmessung der Radioaktivit&auml;t an einem ANA-Flugzeug aus Japan ist ein Symptom daf&uuml;r.</p>
<p>Viele Japaner, die hier in Deutschland leben und aus der Entfernung das Leiden unserer Landsleute mit anschauen m&uuml;ssen, f&uuml;hlen sich frustriert &ndash; wenn nicht gar angewidert &ndash; &uuml;ber die aufgeregte Art des deutschen Umgangs mit dem Atom-Thema, w&auml;hrend Dutzende Millionen von Japanern im Krisengebiet und im Gro&szlig;raum Tokio, die sich direkt in einer verzweifelten Lage befinden, trotz immer wiederkehrender Nachbeben versuchen, solidarisch Ruhe zu bewahren.</p>
<p>Denn, wir wissen, dass Panikmache in der jetzigen Situation keinen Millimeter weiterhilft.</p>
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		<title>&#8220;Haben Sie verstanden?&#8221;</title>
		<link>http://www.sesera.net/blog/?p=18</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 09:42:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sesera</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Service]]></category>

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		<description><![CDATA[Sehr geehrte Frau Wittelbacher (Name ge&#228;ndert), ich schreibe Ihnen diesen pers&#246;nlichen Brief, da wir uns heute offensichtlich nicht gegenseitig verstanden haben. In der gl&#228;nzenden neuen Filiale von Metro M&#252;nchen arbeiten Sie ja f&#252;r die Kassenaufsicht, wo ich nach mehrere Stunden &#8230; <a href="http://www.sesera.net/blog/?p=18">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrte Frau Wittelbacher (<em>Name ge&auml;ndert</em>),</p>
<p>ich schreibe Ihnen diesen pers&ouml;nlichen Brief, da wir uns heute offensichtlich nicht gegenseitig verstanden haben.</p>
<p>In der gl&auml;nzenden neuen Filiale von Metro M&uuml;nchen arbeiten Sie ja f&uuml;r die Kassenaufsicht, wo ich nach mehrere Stunden langer Suche nach Weihnachtsgeschenken f&uuml;r Neffen und Nichten, sowie mit einem gro&szlig;en Haufen kleiner Mitbringsel f&uuml;r meine Japan-Reise ziemlich ersch&ouml;pft landete.</p>
<p>Es war wohl nicht meine Wahl, dass das zweier-Set der DVD &bdquo;Lassie und ihre Freunde&ldquo; versehentlich zweimal gescannt war. Ich bemerkte die falsche Zahl auf meiner Rechnung erst nachdem ich die Ausgangst&uuml;r passiert hatte. Wie Sie wissen, Ausgangst&uuml;ren sind in Deutschland in der Regel strikt f&uuml;r das Rausgehen vorgesehen. Trotz meinem Bitten und Flehen blieb sie kalt geschlossen wie einst die Berliner Mauer, die in diesem Fall die ein paar Schritt entfernt liegende Kasse von der hilflosen Japanerin mit ihrem vollen Einkaufswagen trennte.</p>
<p>Mit einem Seufzer drehte ich um und ginge zum Eingang des Riesengro&szlig;handels zur&uuml;ck. Begeistert hat mich der 200- Meter Lauf mit dem vollen Einkaufswagen nicht besonders. Beim Eingang wurde mir gesagt, von dort aus durch das Gel&auml;nde wieder zur Kasse zu gehen. Also nochmals musste ich mit dem vollen Einkaufswagen 200 Meter zur&uuml;cklegen &#8211; &nbsp;ins pr&auml;chtige Weihnachtsdekor hinein. All das wegen des verdammten doppel-gescannten Zeichentrickfilms &uuml;ber den braven Hund &bdquo;Lassie und ihre Freunde&ldquo;!</p>
<p>Frau Wittelbacher, so sind wir uns begegnet. &nbsp;</p>
<p>Ihre professionell aussehende dunkelfarbige Bekleidung machte mir viel Mut. Ich dachte, ich sah endlich das Ende der langen erm&uuml;denden Eink&auml;ufe. Ich wollte nur eines: Eine R&uuml;ckerstattung der einen &bdquo;Lassie&ldquo;-DVD und zur&uuml;ck nach Hause. Aber nein, der Fall nahm einen neuen Wendepunkt.</p>
<p>Ihr gro&szlig;z&uuml;giger Raum mit dem Schild &bdquo;Kassenaufsicht&ldquo; befand sich ganz am Anfang der Reihe unz&auml;hliger Kassenfl&uuml;sse, gleich neben der elit&auml;ren Kasse f&uuml;r Gold-Card-Kunden. Frau Wittelbacher, Sie standen in diesem m&auml;chtigen Schloss und sagten mir in einem unsanften Ton: &bdquo;Warum stehen Sie aber auf der Innenseite? Sie m&uuml;ssen eigentlich auf der Au&szlig;enseite der Kasse stehen, wenn Sie schon gezahlt haben.&ldquo;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Klar, habe ich Ihnen dann erkl&auml;rt, dass ich den Fehler erst dann bemerkte, nachdem ich schon durch die Ausgangst&uuml;ren durchgegangen war. Ist es klar, oder? &bdquo;Nein! Sie h&auml;tten aber wieder sofort reinkommen m&uuml;ssen!&ldquo;</p>
<p>Aber wie? Die Ausgangst&uuml;r war ja von au&szlig;en nicht mehr zu &ouml;ffnen! Denn sie ist die Ausgangst&uuml;r! &bdquo;Da gehen die Leute dauernd raus. Sie h&auml;tten nur kurz warten m&uuml;ssen, und bei der n&auml;chsten Gelegenheit wieder rein kommen m&uuml;ssen. Das geht gar nicht, dass Sie wieder vom Eingang reingegangen sind! Sie haben schon alles bezahlt. Und Sie h&auml;tten ja auf dem Weg hierhin Sachen in Ihren Einkaufswagen gesteckt haben k&ouml;nnen. Das ist das Problem. Haben Sie das verstanden!?&ldquo;</p>
<p>Ich war noch, gerade noch, geduldig, Frau Wittelbacher. Tief atmete ich. Das sollte mir die Ruhe meiner fr&uuml;hmorgigen Meditation zur&uuml;ckgeben. &bdquo;Aber der Kassenfehler war nicht mein Fehler. Die T&uuml;r war schon zu, und niemand kam sofort dadurch. Und ich bin extra wieder zum Eingang gegangen, um die Sache zu kl&auml;ren, machte den extra Weg zur&uuml;ck, um wieder hierher zu kommen. Ich bin Ihr Kunde. Ich m&ouml;chte von Ihnen jetzt keinen Vorwurf h&ouml;ren.&ldquo; W&auml;hrend ich so sprach und in Ihren blauen Augen zuschaute, dachte ich innerlich: Jetzt geht&rsquo;s los. Denn ich habe gesehen, dass Ihre Augen mit voller &Uuml;berzeugung gl&auml;nzten. &nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>&bdquo;Der Kunde muss aber auch lernen! Auch bei Aldi oder egal welchen Superm&auml;rkten k&ouml;nnen Sie nicht nach dem Zahlen wider mit Ihrem Wagen vom Eingang reingehen. So einfach ist es. Jetzt, haben Sie das verstanden?&ldquo; &nbsp;</p>
<p>Ich habe Sie verstanden, Frau Wittelbacher. Aber Sie haben mich nicht verstanden. Oder wir haben uns nicht verstanden. Meiner Meinung nach geht es wirklich nicht darum, ob Sie mir &bdquo;Ihre&ldquo; Regel beibringen, so dass ich neue Kenntnisse gewinnen und besserer Kunde werde. Es geht um die Art und Weise, wie Sie mit mir, dem Kunden, umgehen, gerade wenn der Kunde sich extra bem&uuml;hen musste, um den Fehler ihrerseits zu kl&auml;ren. So etwas habe ich versucht, Ihnen mitzuteilen. Ihre Antwort: &bdquo;Sie haben aber nicht verstanden! Deshalb musste ich es Ihnen so erkl&auml;ren!&ldquo;</p>
<p>Glauben Sie mir, Frau Wittelbacher. Ich bin ein friedlicher Mensch, auch wenn Sie mir nicht mehr glauben m&ouml;gen. Zu m&uuml;de und lustlos weiterzuk&auml;mpfen, zog ich die Notbremse: &bdquo;Ich kenne Ihre Personalchefin (was zumindest halbwegs der Wahrheit entspricht), und setze mich mit ihr umgehend &uuml;ber Ihre Umgangsweise mit Kunden in Verbindung&ldquo;.</p>
<p>Darf ich Sie eiserne Lady nennen, Frau Wittelbacher? Sie lie&szlig;en sich gar nicht von meiner Warnung ber&uuml;hren. Sie antwortete mir tapfer: &bdquo;Tun Sie das! Ich notiere auch Ihre Kundennummer und berichte meiner Chefin &uuml;ber Sie!&ldquo;</p>
<p>So endete unsere Begegnung, die vermutlich (und hoffentlich) einmalig war.</p>
<p>Ach ja, 6 Euro 81 Cents f&uuml;r &bdquo;Lassi und ihre Freunde&ldquo; haben Sie mir zur&uuml;ckerstattet. Vielen Dank daf&uuml;r!</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Kiriko Nishiyama</p>
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